Kirsten Pieroth

Menu

23. März bis 2. Juni 2013

Eröffnung: Freitag, 22. März 2013, 19 Uhr

Pressetext   Press release


Der Kunstverein Nürnberg – Albrecht Dürer Gesellschaft freut sich, eine Einzelausstellung von Kirsten Pieroth (*1970 in Offenbach a. Main; lebt in Berlin) präsentieren zu können.

Unter dem Ausstellungstitel Menu bringt Kirsten Pieroth eine Gruppe von neuen Arbeiten zusammen, die ihren Ausgangspunkt in der kritischen Befragung heutiger Konsumkultur haben. Wie bereits in früheren Werkkomplexen – wie etwa zu dem Erfinder Thomas A. Edison oder dem Pionier der drahtlosen Nachrichtenübermittlung Guglielmo Marconi – beschäftigt sich Pieroth in ihren aktuellen Werken mit den Errungenschaften der Moderne.

In der Serie Pastoral Symphony (2013) hat die Künstlerin eine Sammlung von Werbeseiten aus verschiedenen, meist amerikanischen Magazinen zusammengestellt. Präsentiert auf gebrauchten Wellpappen folgen die Arrangements einem chronologischen Verlauf, der die erstmalige Markteinführung und die Verbreitung von Produkten innerhalb der letzten 100 Jahre umfasst. Das Interesse der Künstlerin liegt dabei nicht in einer historisierenden Auswahl der Werbeinserate, sondern in einer collagenhaften Bebilderung modernen Lebens, in der visuelle und inhaltliche Analogien zwischen den Anzeigen entstehen. Die Versprechungen des kapitalistischen Wertschöpfungssystems destablisiert Pieroth in der Aneinanderreihung und Auswahl der Anzeigen – beispielsweise wenn eine Kreditkarte mit der Geste gefalteter Hände beworben wird, sich eine Geldbörse flügelgleich vor ihrem Betrachter auffaltet oder sich die Silhouette eines ausgelösten Airbags formal an die Gestalt der Erde angleicht. Pieroth entwirft eine Biografie der Industriegesellschaft, die in ihrer Fortschrittsvorstellung von dem Bestreben nach Beschleunigung und stetigem Wachstum angetrieben wird.

Weiter präsentiert die Künstlerin eine Reihe von Objekten wie Untitled (Frozen) (2013), das sich auf die erstmalige Einführung der Tiefkühlkost auf den Markt bezieht, oder Untitled (Caramel) (2013), welches aus in Karamell gegossenen US-Dollarnoten besteht. In ihren Collagen und Objekten fokussiert Pieroth neben den Werbemechanismen der Konsumindustrie ebenfalls das Verbraucherverhalten. Wie es der französische Historiker und Soziologe Michel de Certeau in seinem Buch L'Invention du Quotidien (1980) beschrieben hat, macht sie in ihren Arbeiten deutlich, dass dem Konsumenten im Alltag stets unterschiedliche Taktiken des Aneignens, Improvisierens und Weiterverwendens von Produkten zur Verfügung stehen. Er ist so nicht nur ein passiver Verbraucher, sondern ebenso ein aktiver Produzent, der in der individuellen Verwendung von Produkten existierende kulturelle Regeln unterwandern und verändern kann.

Kirsten Pieroth (*1970, Offenbach a. Main, Deutschland) lebt in Berlin. In den letzten Jahren hat sie ihre Arbeiten in internationalen Einzelausstellungen gezeigt wie unter anderem im Office Baroque, Antwerpen und in der Galleria Franco Noero, Turin (beide 2012); im Contemporary Arts Museum, Houston, USA (2010); bei Silberkuppe, Berlin (2009); im CCA Wattis Institute, San Francisco, USA (2008); in der Secession in Wien (2005); bei Cubitt in London (zusammen mit Henrik Olesen, 2005) sowie im Portikus, Frankfurt a. M. (2003). Daneben war sie in Gruppenausstellungen vertreten wie in The Imminence of Poetics, 30. São Paulo Biennale (2012); in Power to the People, ACCA Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne (2011); in Untitled, 12. Istanbul Biennale (2011); in Von realer Gegenwart: Marcel Broodthaers heute, Kunsthalle Düsseldorf (2010); in Under One Umbrella, Kunsthalle Bergen, Norwegen (2010), sowie in Little Theatre of Gestures im Museum für Gegenwartskunst Basel und in der Malmö Konsthall, Schweden (beide 2009).


Ausstellungsbesprechungen:
Texte zur Kunst (Juni 2013), Frieze d/e (Juni-August 2013)

 



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